Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Ratingen

Bürgermeisterkandidaten_2025

Bürgermeisterkandidaten_2025 © ADFC Ratingen

Befragung der Bürgermeisterkandidaten und Kandidatinnen 2025 in Ratingen

„Radwege so breit wie Catwalks“ – der ADFC Ratingen hat die Bürgermeisterkandidaten zum Thema Radverkehr befragt

Was bieten die Bürgermeisterkandidaten und deren Parteien den Ratinger Radfahrenden an? Zur Kommunalwahl 2025 hat die Ortsgruppe Ratingen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) den Bürgermeisterkandidaten acht kurze Fragen gestellt. Mit Ausnahme der FDP und der AfD haben alle Kandidaten die Fragen beantwortet.

Zunächst vorab: alle Kandidaten zeigen mit ihren Antworten, dass sie die Situation des Radverkehrs verbessern möchten. Das ist auch folgerichtig, da sie selbst den derzeitigen Zustand auf einer Skala von 1 („sehr schlecht“) bis 10 („ideal“) im Durchschnitt mit gerade mal 3,6 bewerten.
Trotzdem gibt es auch hier Ausreißer – die CDU und SPD bewerten den Zustand der Radinfrastruktur mit 5 von 10 Punkt deutlich besser, als ihn die Ratinger Bürger laut den Ergebnissen des Fahrradklima-Tests 2024 empfinden, bei dem Ratingen zum wiederholten Male nur unter den Schlusslichtern der mittelgroßen Städte lag.

Bei der Frage, was denn in der Vergangenheit für den Radverkehr getan wurde, sind zahlreiche Anträge und Projekte der einzelnen Parteien benannt worden. „Wären diese alle von der Stadtverwaltung umgesetzt worden, könnte Ratingen bereits eine deutlich fahrradfreundlichere Stadt
sein“, betonen Vertreter des ADFC Ratingen. Sieht man sich die Antworten genauer an, so ergeben sich im Vergleich der Kandidaten aber doch Unterschiede.

Laut Rainer Vogt von der Bürger-Union bräuchte es keine neuen Konzepte, sondern die Maßnahmen des 2011 verabschiedeten Masterplans Radverkehr müssten „endlich umgesetzt werden“. Er weist mehrfach darauf hin, dass es für den Radverkehr eine deutliche Erhöhung der finanziellen und personellen Ressourcen bei der Stadtverwaltung bräuchte, ggf. auch eine Stadtentwicklungsgesellschaft.

Ähnlich sieht das Jörn-Eric Morgenroth, der hervorhebt, dass die GRÜNEN bereits konkret die Erhöhung des Budgets für Radwege auf 950.000 Euro pro Jahr und zwei zusätzliche Ingenieurstellen beantragt hatten, was sich aber bisher nicht durchsetzen ließ.

Auch Patrick Anders von der CDU möchte die Umsetzungskapazitäten im Tiefbau personell verstärken. Er nennt dazu auch den verstärkten Einsatz von Generalunternehmern.

Rosa-Maria Kaleja von der SPD ergänzt ihre Forderung nach einer Stärkung des Radverkehrsbeauftragten mit dem Hinweis auf die Prioritätensetzung und die Steuerungsverantwortung der Dezernenten – dies ist wohl auch als Kritik an der aktuellen technischen Beigeordneten zu verstehen. In ähnliche Richtung äußert sich auch der GRÜNEN-Kandidat.

Die ausstehende Umsetzung des vor zwei Jahren beschlossenen Radverkehrskonzepts für den Kreis Mettmann fordert insbesondere Jörn-Eric Morgenroth. Patrik Anders verweist darauf, dass „dessen Umsetzung bevorsteht“. Anmerkung des ADFC dazu: in der Realität ist dies bisher leider nicht feststellbar. Ähnlich ausstehend ist die Planung für das von Jörn-Eric Morgenroth geäußerte „Herzensprojekt“ einer komfortablen Fahrradschnellverbindung von Duisburg über Ratingen nach Düsseldorf. Dessen Intensivierung fordert auch Rainer Vogt.

Die CDU als bisherige Mehrheitsfraktion kann auf die mit Land und Kreis umgesetzten Radwegesanierungen z. B. an der Fritz-Bauer-Straße und der Knittkuhler Straße verweisen. Aber auch die anderen Kandidaten benennen Ihre jeweiligen Beschlussvorlagen zur baulichen Verbesserung mehrerer Radwege und entsprechende Vorhaben für die nächste Amtszeit.
Zu der auch vom ADFC immer wieder geforderten verbesserten Pflege von Radwegen einschließlich Winterdienst verweisen SPD und BU auf eigene Anträge. Deren Umsetzung bleibt angesichts der unterschiedlichen Zuständigkeiten jedoch vermutlich auch zukünftig ein Dauerthema.
Auf die Schaffung von mehr Fahrradabstellplätzen in der Innenstadt könnten sich alle Parteien einigen, die CDU erwähnt ergänzend auch Überdachungen wie am Düsseldorfer Platz. Interessant dabei: die CDU weist darauf hin, dass die Schaffung von Fahrradstellplätzen „überwiegend ohne Entfall von knappen Stellplätzen“ erfolgen sollte, wobei alle Parteien ansonsten angegeben haben, dass Fahrradabstellplätze auch durch den Rückbau von Autoparkplätzen errichtet werden könnten. Für den Bereich der Innenstadt verweist Jörn-Eric Morgenroth noch auf den seit Jahre unerledigten Ratsbeschluss zu verkehrssicheren Tempo-30-Zonen und Fahrradstraßen. SPD und CDU greifen die Probleme u. a. an der Düsseldorfer Straße auf.

Die CDU schränkt ihre Unterstützung des Radverkehrs insofern ein, dass sie nicht "einseitig zu Lasten von Individualverkehr, ÖPNV oder Fußgängerwegen” erfolgt und fügt an: "Uns ist die Wahlfreiheit der Bürger wichtig, nicht Ideologie." Manuel Wenk vom ADFC Ratingen hierzu:
"Abgesehen davon, dass für den ADFC die Wahl eines Verkehrsmittels nichts mit Ideologie zu tun hat und wir auch den Radverkehr zum Individualverkehr zählen, dürfte dieser Standpunkt viele nötige Veränderungen hin zu mehr Radverkehr in Ratingen weiterhin verhindern."

Noch ein Blick auf den Neubau der L239 nach Mettmann, für den der ADFC vehement den gleichzeitigen Bau eines Radweges fordert: hier könnten sich Rosa-Maria Kaleja und Patrik Anders einen Ausbau zunächst ohne Radweg vorstellen, während Rainer Vogt explizit auf eine separate Radspur pocht.

Die Antworten von Fiona Stute von der PARTEI, erfolgten immer mit einem Augenzwinkern bei ernstem Hintergrund, wenn sie beispielsweise darauf verweist „dass in Ratingen Fahrradfahren so ein bisschen ist wie Drag-Schminken bei Stromausfall: Es geht irgendwie, aber es ist gefährlich und man sieht danach komisch aus“. Sie fordert „Radwege so breit wie Catwalks“.

Übrigens geben alle fünf antwortenden Kandidaten an, dass sie das Fahrrad auch selbst nutzen. Deren Antworten zeigen zudem, dass die Verbesserung der Radinfrastruktur auch in der kommenden Amtszeit ein Thema bleiben wird. Dazu der ADFC: „Es braucht jetzt dringend die
Umsetzung der eigentlich guten Beschlüsse und Projekte – und am liebsten mit der Unterstützung aller Parteien“. Die fünf Jahre des amtierenden Bürgermeisters waren aus Sicht des ADFC Ratingen leider verlorene Jahre mit nur wenigen Fortschritten bei der Radinfrastruktur.


https://ratingen.adfc.de/pressemitteilung/ergebnisse-befragung-buergermeisterkandidatur-2025

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